Weihnachten zu Hause

Liebe Gemeindeglieder,

Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen Weihnachtsgottesdienst für zu Hause.

Sie können die Texte für sich lesen, oder gemeinsam eine Andacht in Ihrem Haushalt veranstalten.

 

 


Begrüßung:

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

In dieser Nacht feiern wir, dass Gott zur Welt kommt. Das ist Grund zur Freude für die ganze Welt. 
So hat es der Engel in dieser Nacht in die Welt gerufen:
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Eingangsgebet:

Heiliger Gott,
in dieser Nacht fällt ein Licht auf die Welt;
dein Licht,
das Licht der Welt;
Im Kind in der Krippe zeigst du der Welt dein Gesicht:
ein Gesicht voller Liebe.


Wir bitten dich:
Nimm weg alle Furcht und erfülle uns mit Freude.
Erbarme dich über alle Völker und lass alle Welt das Geheimnis des Lichts erkennen: Christus ist geboren!

 

Darum singen wir in dieser Nacht und loben dich mit allen Engeln.
Durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und gepriesen wird von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

 

Weihnachtsevangelium (Lukas 2, 1-20)

 

zum vorlesen lassen

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.
Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.
Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,
damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.
Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.
Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

 

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander:
Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.
Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.
Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.
Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

 

Glaubensbekenntnis

 

Lied „Stille Nacht“ (Im evangelischen Gesangbuch NR. 46)

zum Mitsingen

 

Bildbetrachtung: Ochs und Esel und neues Leben (das Bild lässt sich durch klicken auf diese Zeile öffnen)

die Bildbetrachtung zum Anhören

Kaum ein Bild wird so sehr mit dem christlichen Glauben verbunden wie die Darstellung der Geburt Jesu. Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe. Ochs und Esel im Stall gehören dazu, außerdem die Hirten auf dem Feld mit ihren Schafen und der Engel, der die frohe Botschaft von Weihnachten verkündigt. Vielleicht auch die Weisen aus dem Osten, die dem Stern gefolgt sind, Caspar, Melchior und Balthasar.

Das Bild, das ich heute mit Ihnen betrachte, wirkt da vertraut und verstörend zugleich. Vertraut, weil das Kind in der Krippe gut zu erkennen ist, mit dem Heiligenschein eindeutig als Jesus zu erkennen, und Ochs und Esel sind auch dabei. Aber die anderen fehlen – Maria und Josef, die Hirten, die Schafe, der Engel, die Weisen …

Es lässt sich einfach erklären, warum Maria und Josef auf diesem Bild fehlen. Es handelt sich hier um einen Ausschnitt aus einem Gesamtkunstwerk: wir sehen eine von 153 gleich großen quadratischen Tafeln, die zusammen die Decke der kleinen Dorfkirche von Zillis in Graubünden schmücken. 

Vielleicht hat der eine oder die andere sie schon einmal gesehen. Hunderttausende schauen sich die Kirche auf dem Weg in den Süden jedes Jahr an. Ein großartiges Kunstwerk ist diese romanische Decke mit Bildern des Glaubens – vor allem aus dem Leben Jesu. Vielleicht nicht so eindrücklich wie manch andere Kirchenmalereien, aber von tiefer Aussagekraft und Gläubigkeit.

So ist es auch bei diesem Bild von der Geburt Christi, bei dem Maria und Josef einfach deswegen fehlen, weil sie auf den benachbarten Tafeln dargestellt sind. Gerade so ergibt sich aber eine Konzentration auf das Wesentliche: den neu geborenen Christus.

Aber diese Konzentration auf wenige Elemente lässt Fragen aufkommen. Der Ochse und der Esel scheinen eine gewichtige Rolle zu spielen. So vertraut uns die beiden Tiere bei der Krippe sind: Warum werden sie eigentlich dargestellt? In der Weihnachtsgeschichte des Lukas kommen sie ja gar nicht vor, da heißt es lediglich: Maria „gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“.

Wahrscheinlich sind Ochs und Esel dazugekommen, weil die ersten Christen im Kommen Jesu eine Erfüllung der alten prophetischen Verheißungen gesehen haben. Da konnte man in der griechischen Fassung des Propheten Habakuk lesen, er würde inmitten zweier Tiere erscheinen (Habakuk 3,2); und beim Propheten Jesaja heißt es (1,3): „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn.“ In der Verbindung dieser Stellen aus dem Alten Testament entstand die Vorstellung, dass Jesus in der Krippe zwischen Ochs und Esel zur Welt kam, wie es auch Martin Luther in seinem bekannten Weihnachtslied „Vom Himmel hoch“ gedichtet hat: „Ach Herr, du Schöpfer aller Ding, wie bist du worden so gering, dass du da liegst auf dürrem Gras, davon ein Rind und Esel aß!“ (EG 24,9)

Aus diesen Zeilen Luthers wird erkennbar, worin er den Sinn der Tradition von Ochs und Esel gesehen hat: Es wird sichtbar, wie tief Gott zu Weihnachten in unsere Welt gekommen ist – nicht am Hof der Könige wurde er geboren, sondern zwischen den Tieren im Stall. Ich möchte es so sagen: Das Heil, das mit Jesus in die Welt kommt, gilt nicht nur den Menschen in ihrer Not, es gilt sogar den Tieren.

Dem entspricht auch eine andere Beobachtung, die das Bild von Zillis zu etwas Besonderem macht: Jesus ist eigentlich gar nicht in eine Windel gewickelt. Das Tuch, in das er gewickelt ist, ist eigentlich ein Leichentuch. So wurden Verstorbene eingewickelt und in den Sarg gelegt. Ja, und auch die Krippe im Bild gleicht eher einem dunklen Sarg. Schon bei der Geburt Jesu werden wir an seinen Tod erinnert. Jesus ist das Heil der Welt, weil beides zusammengehört: Er kommt in die Not dieser Welt und erlöst uns durch seinen Tod und seine Auferstehung. Krippe und Kreuz gehören zusammen. Jesus bringt uns das Leben, weil er für uns gestorben ist.

So erscheint Jesus auf dem Bild in der Mitte zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Licht des Lebens und dem Dunkel des Todes. Jesus selbst erscheint ohnmächtig, gebunden, doch gerade so bringt er das Licht in die Welt – nicht nur für die Menschen, das Licht lässt schon den Ochsen erstrahlen und der Esel schaut liebevoll in die Krippe. 

Was der Maler dieses Bildes gedacht hat, weiß ich nicht. Aber er hat ein Bild gemalt, in dem mit tiefem Glauben zum Ausdruck kommt, was Weihnachten eigentlich bedeutet: Da, wo Menschen und Tiere leben, mitten in unserem Alltag, erscheint die Herrlichkeit Gottes, weil Jesus unser Heiland ist, uns zum Heil geboren, gestorben und auferstanden.

 

 

Lied: „O du fröhliche, o du selige“ (Im evangelischen Gesangbuch NR. 44)

 

zum mitsingen!

Fürbitten

Guter Gott,
an Weihnachten hast du uns deinen Sohn Jesus Christus gegeben.
In ihm bist du bei uns.
Sein Licht leuchtet in der Dunkelheit unserer Welt.
Wir preisen dich dafür und bitten dich:
Für alle Menschen,
die traurig sind,
die Angst haben,
die kein Verständnis finden,
die krank sind,
die hungern,
die leiden,
die auf der Flucht sind.
Sieh auf das Leid dieser Menschen.
Gib auch uns offene Ohren und Augen für diejenigen,
die uns brauchen.
Schenke uns Kraft, Gutes zu tun.
Das bitten wir dich durch deinen Sohn Jesus Christus,
unseren Herrn und Bruder.
Amen.

Vater Unser

 

Segen

Und der Herr segne uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke und Frieden.

Amen